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Gemeinsam am Tisch des Herrn

Auf die Frage nach Bildungszielen für ihre Kinder antworten manche Eltern: „Unsere Kinder sollen lernen, nicht zu allem Ja und Amen zu sagen!“ Die Kompetenz zu differenzieren, zu kritisieren und sich selbst eine Meinung zu bilden, wird wertgeschätzt, auch in unserer Schule. Denn Christ sein heißt, Entscheidungen treffen zu können – und nicht nur unbestimmt etwas Frommes zu fühlen. Nachfolge heißt leben und nicht nur reden.

Christus hat nicht nur Sprechblasen von sich gegeben. Seine Worte sind konstruktive Orientierungspläne für den persönlichen und sozialen Alltag.Deshalb ist christliche Kirche auch immer streitbare Kirche. Hier darf und soll mit allem Respekt vor der Meinung und Persönlichkeit des Gegenübers, in Frieden diskutiert und argumentiert werden. Eine Streitfrage, die seit langem unsere Kirchen bewegt, wurde im Rahmen des Ökumenischen Kirchentages in Frankfurt sehr kontrovers diskutiert: Sollen und dürfen Christinnen und Christen verschiedener Konfessionen gemeinsam am Tisch des Herrn Eucharistie und Abendmahl feiern?

Die Frankfurter Stadtdekane hatten sich entschlossen, das Abendmahl für die jeweils andere Konfession zu öffnen. Mit dem Ökumenischen Kirchentag, der – vor allem digital – Mitte Mai in Frankfurt stattfand, sollte Wirklichkeit werden, was ein renommierter Arbeitskreis aus katholischen und evangelischen Theologen (ÖAK) in einer Studie vorgelegt hatte: Dass es möglich sein wird, gemeinsam am Tisch des Herrn zu feiern, weil beide Konfessionen ihre unterschiedliche Mahlfeier als Ausdruck von Gemeinschaft mit dem gegenwärtigen Christus verstehen.

Dem ÖAK war es wichtig zu betonen, dass Abendmahl und Eucharistie als Feier der Getauften zu verstehen sind (Ausnahmen sind im Einzelfall aber möglich). Eucharistie, so sagt es ein katholisches Dokument ( Ecclesia de Eucharistia, 38) ist die „höchste sakramentale Darstellung der Gemeinschaft in der Kirche.“ Deshalb sei die Teilnahme an der Eucharistie nur für jene offen, die der katholischen Kirche angehören. Aber auch hier gibt es Ausnahmen: Wenn besondere Umstände vorliegen, können einzelne Personen, die nicht katholisch sind, dennoch an der Eucharistie teilnehmen.

Das klingt alles kompliziert. Viele Christen fragen sich: Ist denn immer noch nicht genügend Vertrauen zwischen den Konfessionen gewachsen? In vielen Gemeinden nehmen konfessionsverbindende Familien doch schon regelmäßig an Eucharistiefeiern teil. Dies geschieht, weil Christen beider Konfession glauben und bekennen: Christus ist der, der uns einlädt. Und: „Jeder soll sich selbst prüfen und erst dann vom Brot essen und aus dem Kelch trinken.“ Bereits der Apostel Paulus hatte für die Gemeinde in Korinth diese weise Regel aufgestellt ( 1. Kor.11, 28). Aus Ehrfurcht vor dem gegenwärtigen Christus war es also auch schon in der frühen Kirche wichtig, zwischen einer „würdigen“ und einer „unwürdigen“ Teilnahme am Mahl zu differenzieren.

Bekanntlich gab es in Frankfurt trotz großer theologischer Anstrengungen aber keinen Durchbruch zu einer ökumenischen Gastfreundschaft beim Abendmahl. Das ist sehr traurig, denn auch für unsere Schulgemeinschaft wie für alle Gemeinden und Schulen wäre es ein wunderbarer Neuanfang, wenn wir uns konfessionsübergreifend mit allen Getauften am Tisch des Herrn stärken könnten. Aber so einfach ist das nicht.

Die Leitung der Mahlfeier durch ordinierte Amtspersonen ist zum Beispiel ein gravierender Vorbehalt, den Kardinal Koch geäußert hat. Es gibt also weiteren Gesprächsbedarf. Auch, um den Zusammenhang von Mahlfeier und Kirchengemeinschaft zu klären. Solange brauchen wir Mut, um nicht müde zu werden und den biblischen Glauben, dass wir mit unserem Gott über Mauern springen können (Psalm 18,30). 

Ich glaube, die biblische Wahrheit macht nur als gelebte Wahrheit wirklich frei. Als Theorie oder bloßes Dogma wirkt sie schnell blass und belanglos. Suchen wir für unsere Schulgemeinschaft nach Möglichkeiten, dass aus großen Zielen kleine gehbare Schritte werden können. Dazu schenke uns Gott seinen guten Geist.

Susanne Storck, Schulpfarrerin

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